Aktuell

«Die Sonne» - Ein Aufsatz von Cuno Amiet aus unserem historischen Archiv

Langsam flieht der Schlaf. Wie mag wohl heut das Wetter sein? Wird wohl die Sonne scheinen? Wie gestern? Da die frühe Morgensonne so gelb auf diesem schiefen Baume und gelber, viel gelber noch auf der dicht mit Löwenzahn besäten Wiese lag und sich durch den morgendlichen Dunst des Himmels (im obern Drittel) bohrte wo das Blaue am gelben Schein noch teilnahm. Wird die Sonne wohl auf gleiche Weise heute mir erscheinen? Ich eile an`s Fenster, zu früh ist`s noch, es ist noch alles ungewiss. Ich wasche und rasiere mich, ich zieh mich an, sitz mit den andern an das Morgenessen hin, die Zeitung meldet unter "Wetter" ungewiss. Ich stelle trotzdem mein Gerät im Garten auf. Die Palette strahlt von Sonnengelb. Huscht nicht ein leichter, dünner gelber Schein über meinen grauen Baum? Nein wieder wurde ich getäuscht von meinem Wunsch. Noch stumpf im grauen Himmel steht mein Baum. Nicht umsonst hab ich, in seiner frühsten Jugend, dem Christineli von Geduld gepredigt: Geduld zu haben und zu üben sei beinah das Nötigste auf dieser Erde. Geduldig also warte ich auf meinem Stühlchen. Die Sonne will und will nicht durch den grauen Vorhang dringen. Es läutet Mittag schon. Jetzt hat es keinen Sinn mehr länger noch zu warten. Ich trage meine Sachen wieder in das Atelier hinein. Setz mich mit den Meinigen an den Mittagstisch. Und als ich nach genossenem Mahl ins Freie trete strahlt und lacht die Sonne mir ins Gesicht. Sie scheint nun auch auf meinen Baum. Nur auf die andere Seite. Doch nur Geduld Morgen oder Uebermorgen scheint sie wieder dorthin wo ich sie haben will.

 

Verfasst von Cuno Amiet, undatiert. Erfasst in unserem historischen Archiv.

Cuno Amiet malend in seinem Obstgarten, undatiert.
Cuno Amiet malend in seinem Obstgarten, undatiert.

Ostern auf der Oschwand: Aufsatz von Paul Rothenhäusler

abgedruckt im Buch «Cuno Amiet, Die Freude meines Lebens, Prosa und Poesie»

Ich weiss nicht, wie viele Osterfeste ich als Kind auf der Oschwand bei Amiets verbrachte. Ich weiss nur, dass heute, wenn ich in den Spiegel der etwas wehmütigen Erinnerung blicke, beides – Ostern und Oschwand – eins wird und zu einem schönen Erlebnis verschmilzt. Zuerst ging die Fahrt jeweils nach Herzogenbuchsee, wo meine Grosseltern mütterlicherseits wohnten. Grossmama, eine Bernerin von unverwüstlicher Schaffenskraft und begnadetem Temperament, war die Schwester von Frau Amiet. Das alles erfuhr ich erst Jahre später. Damals wusste ich nur, dass man von Herzogenbuchsee, dem Sammelplatz der Verwandtschaft, auf die Oschwand zu Tante Anna und Onkel Cuno fahren würde, um Ostern zu feiern. Und die Vorfreude war jeweils gross. Zu Recht übrigens, denn Amiets verstanden es, ihren Gästen unvergessliche Feste zu bereiten. Nach der Ankunft und der mit zahlreichen Umarmungen vollzogenen Begrüssung traten alle ins Atelier. Wir Kinder mussten die Schuhe lange abputzen vor der Schwelle, und wir durften auch kein Wort sagen. Die hohe und weite Halle beeindruckte mich immer sehr. Onkel Cuno zeigte seine letzten Bilder, die anwesenden Frauen bekundeten ihre Freude durch Ausrufe des Entzückens, während dieser oder jener der Männer sein Urteil in fachmännische Worte zu kleiden suchte. Ich glaube, dass wir auch unseren Spass an den Bildern hatten. Vielleicht, dass wir als Kinder die Farben mit einem besonderen stillen Behagen genossen. Immerhin war der Kunstsinn noch winzig, und wenn jeweils Tante Greti, eine der drei Pflegetöchter von Amiets zum Essen rief, dann konnten wir nicht warten, bis wir am gedeckten Tisch sassen. – Es waren immer Festessen von Gotthelfscher Fülle. Onkel Cuno zerschnitt den Braten, wobei sein weisses Bärtchen recht gut zu dieser seiner Nebenbeschäftigung eines Kochs passte. Meistens waren übrigens nicht nur Verwandte, sondern auch Bekannte da. Die ganze Welt war Gesprächsthema. Einmal weilte eine Japanerin auf der Oschwand. Sie ist Onkel Cuno mehrere Male Modell gestanden. Ihre Erscheinung – sie schritt am Osternachmittag durch den blühenden Garten – hat sich damals meinem kindlichen Gemüt unauslöschlich eingeprägt. Auch Franzosen mochten da sein. Die Erwachsenen sprachen spielend Französisch und lachten dabei viel; auch wenn das Bern deutsch oder der Solothurnerdialekt am Tische gebraucht wurden, schien stets der Humor das Zepter zu schwingen. Ebenfalls in diesem Punkte war Onkel Cuno allen überlegen. Die Damen wusste er unaufhörlich zum Lachen zu bewegen aber auch zum verlegenen Lächeln, denn er war ein sehr begabter Charmeur und „Complimenteur“. Manchmal wandte er sich den Kindern zu, scherzte mit Ihnen; wir spürten, dass er unsere geheimen Gedanken und Gefühle irgendwie verstand, und wir hatten ihn gern. Am Nachmittag kam der Osterhase. Sein Revier erstreckte sich über den ganzen Sitz, über die Matten mit den Obstbäumen, über den Blumengarten und die vielen Beerenhecken am Ende des Gartens. Jeder von uns Kleinen musste sein Privatnest suchen, welches Tante Anna mit viel individueller Einfühlung hergerichtet hatte. Das Suchen war angenehm; denn bis zur Entdeckung des Grossen - einen Nestes - fand man zwischen Blumen und in Sträuchern allerlei Naschwerk. Die Grossen schauten uns zu. Onkel Cuno, so schien es mir zumindest damals, war irgendwie verschieden von den anderen Grossen, indem er mit uns suchte und mit uns lief und sich mächtig freute, wenn einer am Ziel angelangt war. Die Szenerie war schön. Alles in Blüte und Bluescht, die Frauen in schönen Kleidern, die Männer feierlich, alle froh. Dann mochten einige Männer sich zu einer Bocciapartie zusammen zu schliessen, während wir zusammen mit den Kindern des Dorfes spielten. Zum Versteckspiel eignete sich der Garten hervorragend. Man konnte sich nach Herzenslust tummeln und auch im Schuppen herumklettern, den Onkel Cuno vor vielen Jahren, als er, der junge, moderne Maler, unter allgemeiner Verwunderung der ansässigen Bauern auf der Oschwand erschien, als erstes Atelier benutzte (damals, zur Zeit unserer Spiele, war es ein Depot für Rahmen und anderes Gerät). Man durfte fast alles, wenn man ein Kind war und auf der Oschwand zu Gast. Nur eines durfte man nicht; Onkel Cuno bei der Arbeit stören. Nach dem Zvieri stellte er nämlich seine Staffelei auf und malte. Auch an einem Sonntag und an einem Feiertag! Das gehörte zu einer Ostern auf der Oschwand. Die Gäste promenierten über die Kieswege des Gartens. Die Frauen sprechen über unsere Unarten und über unsere Zukunft, die Männer rauchen Zigarren und plaudern über die Politik. Der Älteste von ihnen allen aber hat seine Arbeit wieder aufgenommen. Dort hinten bei den Osterglocken, im grünen Gras, hockte er auf seinem Stühlchen, schaut der Natur in die Augen, guckt ihr ihre Geheimnisse ab und bannt sie auf die Leinwand. Mir ist, als wäre es gestern gewesen. Eben beim Versteckspiel bin ich in jenen Teil des Gartens geraten, in welchem Onkel Cuno malt, ohne ihn zu sehen, laufe ich an ihm vorbei, sehe ihn plötzlich und fühle unter seinem bösen Blick, dass ich ihn gestört habe. Ich ahne auch, dass er, wenn er malt, eben mit etwas ganz anderem im Einvernehmen und Vertrauen steht. Es gibt mir einen richtigen Schock. Der Onkel spürt meine Verlegenheit und Angst, er blinzelt mir wieder zu. Alles ist wieder in Ordnung.


«Blumen für die Kunst» im Aargauer Kunsthaus vom 5. bis 10 März 2019

Die einwöchige Ausstellung steht im Zeichen floraler Interpretationen von klassischen bis zeitgenössischen Werken aus der Sammlung des Aargauer Kunsthauses. 13 herausragende Floristinnen, Blumengestalter sowie Jungtalente und ihre Teams sowie der Starflorist Dr. Solomon Leong aus Hong Kong treten in den Dialog zwischen Blumen und Kunst. Die Kompositionen aus frischen Blumen schlagen eine Brücke zu den interpretierten Kunstwerken und ermöglichen neue Sichtweisen. Zudem öffnet die Ausstellung ein experimentelles Fenster zu Kunst, Textildesign und Floristik.

 

Dieses Jahr findet diese ausserordentlich beliebte und erfolgreiche Publikumsschau zum sechsten Mal statt. Schon zum 5. Mal ist Cuno Amiet mit einem Werk vertreten. Diesmal mit dem 1910 entstandenen Portrait seiner Frau Annel, floral interpretiert von Gianna Stefanini, Meisterfloristin und Jungtalent aus Zürich. Sie arbeitet bei Urs Bergmann Florist im Zürcher Niederdorf.

Die Fondation Cuno Amiet freut sich sehr über diesen spannenden Dialog zwischen Amiets Meisterwerk aus der klassischen Moderne und zeitgenössischer Floristik. Von Gianna Stefanini wollten wir wissen, wie sie ihre anspruchsvolle Gestaltungsaufgabe gelöst hat. Dazu sagt sie:

 

«Ich wurde von Farbe überwältigt, der eigenständige, reichhaltige Kolorismus war für mich die wichtigste Inspiration für meine Arbeit. Mein Gefäss stammt aus dem Ende des 19. Jahrhundert es widerspiegelt den unteren Teil des Bildes, welches von feinsten Farbnuancen geprägt ist. Die Blumen werden von Pastelltönen, getrübten Farben bis hin zu den expressionistischen Ansätzen im Bild, im warm-kalt Kontrast gestaltet.»

 

Blumen für die Kunst ist ein gemeinsames Projekt des Vereins FLOWERS TO ARTS und des Aargauer Kunsthauses. Es verspricht Sinnesfreuden pur und schenkt überraschende Momente in der Kunstbetrachtung. Es lässt die Kunst regelrecht Blüten treiben und bietet ein aussergewöhnliches Museumserlebnis. Weitere Informationen unter: www.aargauerkunsthaus.ch

 

Rückschau im Bild: Werke von Cuno Amiet floristisch interpretiert:


Arbeiten am Fotoarchiv stehen kurz vor dem Abschluss

Es freut uns mitteilen zu können, dass wir die Arbeiten am Fotoarchiv in Kürze abschliessen können. Unser Archiv umfasst nun über 2000 Fotos, die in digitaler Form zur Verfügung stehen. Passend zur Jahreszeit geben wir gerne einen kleinen Einblick mit diesen wunderschönen Glaspositiven beim Winterspass!


Ausstellung im Kunstmuseum Solothurn: 22. September 2018 - 6. Januar 2019

Freundschaft und Verwurzelung: Cuno Amiet zwischen Solothurn und der Oschwand. Zum 150. Geburtstag des Künstlers

Das Kunstmuseum Solothurn nimmt den 150. Geburtstag des Solothurners Cuno Amiet zum Anlass, ihm eine thematische Ausstellung zu widmen, mit der zugleich die langfristige Zusammenarbeit zwischen den Nachlass-Erben und dem Kunstmuseum Solothurn initiiert wird. Eine repräsentative Werkgruppe des lange auf der Oschwand aufbewahrten Nachlasses wird nämlich künftig als Dauerleihgabe ins Kunstmuseum Solothurn gelangen. Daher sollen in unserer Jubiläumsausstellung auch Solothurn und die Oschwand, Amiets Geburts- und Wohnorte, die thematischen Pole und Exponate bestimmen. Diese stammen weitgehend aus den Sammlungen des Kunstmuseums Solothurn und des Nachlasses. Mit dem Titel Freundschaft und Verwurzelung wird bewusst an die Solothurner Ausstellung Freundschaft und Kunstsinn erinnert, die 1996/97 den ehemaligen Solothurner Hodler-Sammlungen gewidmet war. Auch Amiets Rezeption ist wesentlich vom Engagement seiner wichtigsten Solothurner Sammlerinnen und Sammler geprägt, die er mit Hodler teilte: Oscar Miller, Josef Müller und Gertrud Dübi-Müller. Bei Amiet fallen Heimat und Sammlerschaft zusammen. Malt er nur wenige eigentliche Solothurner Veduten, durchziehen Bildnisse seiner Solothurner Sammler und Freunde das ganze Schaffen. Die ländliche Solothurner Umgebung, besonders aber die nahe gelegenen Orte Hellsau und Oschwand motivieren ihn in allen Schaffenszeiten zu prächtigen Landschaften und Gartenbildern. Weitere Informationen unter kunstmuseum-so.ch

Cuno Amiet, Bauerngarten, um 1907
Cuno Amiet, Bauerngarten, um 1907

Roderic O’Conor and the Moderns. Between Paris and Pont-Aven

18. Juli – 28. Oktober 2018, National Gallery of Ireland, Dublin

Die National Gallery of Ireland präsentiert diesen Sommer die erste Museumsausstellung seit mehr als dreissig Jahren, die sich auf die gemalten und grafischen Arbeiten des irischen Künstlers Roderic O'Conor (1860-1940) konzentriert. Die Ausstellung würdigt seinen Beitrag, die die Kunst in Europa im späten 19. Jahrhundert revolutionierte. Die Kunstwerke, davon viele, die zuvor nicht in der Öffentlichkeit zu sehen waren, rekonstruieren die kritische Phase von O'Conors Karriere zwischen 1887 und 1895, als er mit Impressionismus und Neoimpressionismus unzufrieden wurde. Diese Ausstellung bietet eine einzigartige Gelegenheit, nicht nur die Entwicklung von O'Conors expressionistischem Stil zu untersuchen, sondern auch sein Werk Seite an Seite mit den Werken der Künstler zu stellen, mit denen er verbunden war und arbeitete, darunter Vincent van Gogh und Paul Gauguin, Armand Seguin, Robert Befan und vor allem Cuno Amiet. Weitere Informationen unter: nationalgallery.ie

Cuno Amiet, Liegende Frau, 1893
Cuno Amiet, Liegende Frau, 1893

Giovanni Giacometti und Cuno Amiet. Eine Künstlerfreundschaft. 3. Juni – 20. Oktober 2018

Ausstellung im Museo Ciäsa Granda und im Atelier Giacometti in Stampa, Bergell

Die lebenslange, innige Künstlerfreundschaft zwischen dem Bergeller Giovanni Giacometti (1868 – 1933) und dem Solothurner Cuno Amiet (1868 – 1961) war deshalb aussergewöhnlich, weil sie trotz gegenseitiger Kritik, Disputen und der Rivalität zweier karrierebewusster Maler nie ernsthafte Beeinträchtigung erfuhr. Das Verhältnis ist ebenso einzigartig und relevant, weil die beiden Gleichaltrigen ebenbürtige, fundamentale Beiträge zur modernen Malerei in der Schweiz leisteten. Die Ausstellung zum 150. Geburtstag von Cuno Amiet und Giovanni Giacometti mit bedeutenden Werken aus Museums- und Privatbesitz macht den direkten Vergleich zwischen den beiden Œuvres möglich und veranschaulicht stilistische Verwandtschaften ebenso wie Divergenzen. Weitere Informationen zu dieser Ausstellung finden Sie hier.


Bromer Kunst, Roggwil: Retrospektive zum 150. Geburtstag von Cuno Amiet:

28. März 2018 - 1. Juli 2018

Zu Ehren des 150. Geburtstages von Cuno Amiet beleuchtet bromer kunst in einer Retrospektive das Œuvre des Wegbereiters der modernen Malerei in der Schweiz – mit ausgewählten Werken zu Sujets wie Bildnis, Selbstbildnis, Stillleben und Landschaft. Auf 1600 m² zeigt bromer kunst über 220 Werke Amiets aus acht Jahrzehnten. Darunter befinden sich auch Arbeiten, die noch nie an einer öffentlichen Ausstellung präsentiert wurden. Durch die grosszügige Unterstützung der Fondation Cuno Amiet, der Stiftung Schweizerisches Institut für Kunstgeschichte, einer Vielzahl von privaten Leihgebern und darüber hinaus Werken aus dem Eigenbestand der Galerie wurde es bromer kunst möglich gemacht, diese aussergewöhnliche Ausstellung zu realisieren.

Die Ausstellung eröffnete am Geburtstag des Künstlers, dem 28. März 2018. Ab der Vernissage wird für ca. zehn Tage der Garten der Oschwand, Amiets Lebensmittelpunkt, nachempfunden im grossen Saal des Hauses, vorzufinden sein – tatsächlich blühende Apfelbäume und Blumen lassen den von Amiet so geliebten Frühling in der Ausstellung Einzug halten, auch wenn es draussen möglicherweise noch schneit.

Cuno Amiet, Sonnenuntergang, um 1950
Cuno Amiet, Sonnenuntergang, um 1950