Aktuell

Jahr der Frau 2021

 

Cuno Amiet verehrte zeitlebens die Frauen. Seine grosse Liebe war seine Frau Anna, welche er in vielen Portraits festgehalten hat. Als verständnisvolle Partnerin unterstützte sie mit Leidenschaft und Hingabe ihren Mann tatkräftig und war in seinem Leben eine wichtige Stütze. 

 

Amiet war fasziniert von starken, selbständigen Frauen. Seine Haltung äusserte sich auch in seiner künstlerischen Tätigkeit. In den Jahren 1902-1905 unterrichtete er eine Malklasse die nur aus Frauen bestand, was zu dieser Zeit aussergewöhnlich war, da es Frauen nicht gestattet war zu studieren.

 

Zu seinen ersten Malschülerinnen zählte unter anderen die Schweizer Künstlerin Frieda Liermann. Zum Jahreswechsel 1902/1903 zeigte Amiet gemeinsam mit Frieda Liermann Bilder und kunstgewerbliche Arbeiten im bâtiment électoral in Genf. Leider fand diese Ausstellung keine grössere Beachtung. 

 

In den späteren Jahren gesellten sich dann weitere Malschülerinnen dazu. So die Künstlerinnen Trissy Batsch, Dresden, 1902,  Alice Bailly, 1909, Helene von Taussig, 1910, Hanni Bay 1906-08, um nur einige zu nennen. Die Damen wohnten in nahegelegenen Gehöften. Später, als Cuno Amiet ergänzend zu seinem Wohnhaus das angrenzende Bauernhaus erwarb und zum Atelier mit Unterkunftsmöglichkeiten ausbaute, wohnten die Künstlerinnen teilweise auch dort. Cuno Amiet war ein grosser Menschenfreund, ungeachtet von Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, Nationalität oder Religion. Ihn interessierten einzig und allein die Personen, die er immer mit Respekt behandelte. 

 


Brand im Münchner Glaspalast am 6. Juni 1931

 

Vor 90 Jahren wurden bei einem verheerenden Brand am 6. Juni 1931 im Münchner Glaspalast, Münchens Wahrzeichen der Moderne, über 3'000 Gemälde unwiederbringlich zerstört. Von den ausgestellten Werken (Bilder, Graphiken, Plastiken) können nur 50 – 60 Werke gerettet werden. Als sechs Stunden nach Brandausbruch die Löschzüge abzurücken beginnen, war die Sonderausstellung der Romantiker sowie die Amiet-Retrospektive mit über 50 Werken gänzlich vernichtet. Darunter befanden sich die Werke „Der kranke Knabe“ (1895), „Die Bernerin“ (1896), „Obsternte“ (1919), „Zwei bretonische Mädchen“ (1892), „Die gelben Mädchen“ (1905) und „Bretonische Wäscherinnen“ (1893) um nur einige aufzuzählen. Seit Hodler wurde keinem Schweizer Künstler mehr so viel Platz in einer ausländischen Ausstellung zur Verfügung gestellt. Amiet wird via Telegramm davon unterrichtet woraufhin er sofort nach München reist.

 

Die grosse Anteilnahme an seinem Schicksalsschlag verdankt Cuno Amiet mittels dem Versand einer Gruss-/Dankes-Karte versehen mit dem Text:

 

„Im Unglück liegt ein tiefer Sinn, was taub und tot war ist dahin, die Liebe blüht, die Herzen sind offen, kann man vom Leben mehr erhoffen“

 

Die Wochen danach verbringt Cuno Amiet einige Tage in der Villa Pochon in Hilterfingen am Thunersee die ihm der Verleger Frédéric Pochon zur Verfügung gestellt hat. Die Gemälde die Cuno Amiet in der darauffolgenden Zeit malt signiert er mit einer stilisierten Flamme als Erinnerung an diesen Schicksalsschlag.


Musée d’Orsay Paris: Ausstellung Modernités suisses (1890-1914)

 

Vom 19. Mai bis 25. Juli 2021 findet im Musée d’Orsay in Paris die Ausstellung «Schweizer Modernitäten (1890-1914)» statt.

 

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts zeichnet sich die Schweizer Kunstszene durch eine grosse Vitalität aus. Ende der 1890er Jahre setzt sich eine Generation von Malern wie Cuno Amiet, Giovanni und Augusto Giacometti, Felix Vallotton oder auch Ernest Bieler oder Max Buri durch, um die Kunst der damaligen Zeit tiefgreifend zu erneuern. Sie wurden in Frankreich, Deutschland und teilweise Italien im Zusammenhang mit der europäischen Avantgarde-Bewegungen ausgebildet und erforschen die ausdrucksvolle, symbolische oder dekorative Kraft der Mallinien und Farben. Gleichzeitig beschäftigen sie sich mit Malsujets in Anlehnung an die Schweizer Geschichte und Nationalkultur, die damals gerade erfunden wird, vor dem Hintergrund der Selbstbehauptung des jungen Bundesstaats, der 1848 gegründet wurde.

 

Diesem wichtigen Augenblick in der europäischen Kunst wird jedoch bis heute ausserhalb der Schweiz zu wenig Beachtung geschenkt. Abgesehen von zwei Veranstaltungen 1934 und 1960 sowie unlängst zwei ambitionierten Retrospektiven über Ferdinand Hodler (2007 im Musée d'Orsay) und Felix Vallotton (2014 in den Nationalgalerien des Grand Palais) wurde der Schweizer Malszene bisher keine einzige Ausstellung gewidmet. Dennoch waren Maler wie Paul Gauguin oder Van Gogh, Schauplätze wie Paris und Pont-Aven ausschlaggebend für wichtige Künstler der damaligen Zeit wie z. B. Cuno Amiet.

 

Diese Ausstellung widerspiegelt das charakteristische, rege künstlerische Schaffen dieser Wendezeit innerhalb der Entstehung der Moderne (zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts). Sie präsentiert Werke, von denen die meisten noch nie in Frankreich gezeigt wurden. Ausgestellt werden etwa 70 Meisterwerke aus dieser Zeitepoche, die hauptsächlich aus öffentlichen und privaten Schweizer Sammlungen stammen. Im Mittelpunkt stehen die wichtigen Protagonisten und Meilensteine in der Entwicklung der Avantgarde-Bewegungen, die sich zwar von den bedeutenden Strömungen Europas beeinflussen lassen, jedoch gleichzeitig tief in der kulturellen und intellektuellen Schweizer Landschaft verwurzelt bleiben. Die Ausstellung bietet die Möglichkeit, in Frankreich unbekannte Künstler sowie außergewöhnliche Gemälde zu entdecken.

 

Die Ausstellung ist in mehrere Abschnitte gegliedert, wobei monografische Ansätze sowie die Gegenüberstellung mehrerer Maler abwechseln. Der Ausstellungskatalog zeichnet die Entwicklung der Schweizer Malkunst der 1900er Jahre in seinem historischen Kontext nach und erweist auch wichtigen Protagonisten wie den Kunstsammlern, Kunstkritikern, Vermittlern und Kunsthändlern eine Hommage.

 

Cuno Amiet ist bei dieser Ausstellung mit 18 Werken vertreten. Eine kleine Auswahl finden Sie in der untenstehenden Bildergalerie. Eine Reise nach Paris lohnt sich diesen Sommer also besonders. Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite des Museums

 

Das RTS hat im Téléjournal vom 5. Juni über die Ausstellung berichtet. Sie können den Beitrag im PLAY RTS anschauen (ab Minute 28.20).

 

Der Werkkatalog zur Ausstellung ist in unserem Shop erhältlich.


Ausstellungsprojekt im Palais Lumière von Evian

vom 27. Februar bis 30. Mai 2021

 

Vom 27. Februar 2021 bis 30. Mai 2021 findet die Ausstellung «La montagne fertile: Giacometti, Segantini, Amiet, Hodler et leur heritage» im Palais Lumière in Evian, Frankreich, statt. Zur Zeit ist die Ausstellung infolge der Corona-Schutzmassnahmen nicht öffentlich zugänglich. Wir werden eine hoffentlich baldige Öffnung an dieser Stelle kommunizieren.

 

Der Kanton Graubünden, mitten im Alpenraum, ist seit langer Zeit eine Inspirationsquelle für zahlreiche Künstler. Die Ausstellung schildert die fruchtbare Wiedergabe der Berglandschaften am Anfang des 20. Jahrhunderts durch die unterschiedlichen Blicke einer Künstlergruppe. Sie gliedert sich besonders um die einheitsstiftende Figur von Giovanni Giacometti und entwickelt sich in vielfältigen Verzweigungen, stellt den persönlichen, künstlerischen und freundschaftlichen gegenseitigen Einfluss zwischen Giacometti und Giovanni Segantini dar, aber auch den mit seinen gegenwärtigen Freunden Cuno Amiet und Ferdinand Hodler, deren Entdeckung dieser Landschaften auch ein wichtiger Faktor der stilistischen Entwicklung und der schöpferischen Emanzipation war. Giacometti, Amiet und Hodler werden somit die Vertreter des Wiederauflebens der Schweizer Malerei am Anfang des 20. Jahrhunderts.

Cuno Amiet, Bildnis Ferdinand Hodler vor seinem Marignano-Bild, 1898
Cuno Amiet, Bildnis Ferdinand Hodler vor seinem Marignano-Bild, 1898

Die Ausstellung wird auch die Verknüpfungen mit anderen gegenwärtigen Künstlern, die

um diese vier Hauptfiguren kreisen, zeigen, insbesondere dem Bildhauer Alberto Giacometti,

erster Sohn von Giovanni, und dem Fotografen Andrea Garbald, dem Zeugen dieser künstlerischen Wertschöpfung im Herzen der Alpen, und weiteren künstlerischen Nachfolgern wie Albert Steiner oder Florio Puenter. Ein wesentlicher Teil der Werke die in Evian gezeigt werden, ist nur dank wichtiger Leihgaben aus Schweizer Museen und Stiftungen möglich.

 

Das Palais Lumière hat zwei Kurzfilme zur Ausstellung veröffentlicht. Der Teaser-Film zur Ausstellung gibt einen Einblick in den Aufbau der Ausstellung und das Interview mit dem Kurator Corsin Vogel enthält weitere spannende Details.

Weitere Informationen über «La montagne fertile: Giacometti, Segantini, Amiet, Hodler et leur heritage» finden Sie auf der Webseite des Museums.


Das Osterfest

Kreuzigung und Auferstehung Jesus Christus

 

Das Thema Kreuzigung beschäftigte Cuno Amiet immer wieder, in gewissen Jahren mit besonderer Intensität. Im Jahre 1907 entstand die erste kleine, leider nur in schwarz-weiss

überlieferte Kreuzigungsszene. Sie enthält die Akteure der Darstellung bereits in einer kompositionellen Anordnung, die Amiet in vielen späteren Fassungen wieder aufnahm.

Unter dem Gekreuzigten die trauernden Frauen, die Mutter Christi und Maria Magdalena sowie der Jünger Johannes.

 

In den Jahren 1907 bis 1960 entstanden zahlreiche kleine und grössere Gemälde. Auch eine namhafte Sammlung an Skizzen ist im Nachlass heute noch vorhanden. 1931 schuf Cuno Amiet für die Kirche in Seeberg die zwei Fresken "Die Kreuzigung" und "Die Wiederauferstehung".

 

Die Fondation Cuno Amiet wünscht Ihnen eine besinnliche Osterzeit.


Tod von Anna Amiet – Amiets Muse und grosse Liebe

 

Am 28. Februar 1953 verstarb Anna Amiet, (79-jährig) die grosse Liebe von Cuno Amiet. Sie durften 55 Jahre lang ein erfülltes Leben miteinander teilen. Ein letztes Mal porträtierte er sein geliebtes «Aenneli» wie er sie immer liebevolle nannte, am 14. Februar in seinem Atelier auf der Oschwand in ihrem Lieblingssessel. Er schrieb dazu in seine Agenda:

An diesem Tag – Nachmittag, hat mir Aenneli zum allerletzten Mal Modell gesessen: «Lesendes Aenni». Ich habe sie gefragt: was hast Du gelesen? Sie sagte: ich weiss es nicht und wankte durch das Atelier hinaus. An diesem Tag war mein liebes Aenneli zum letzten Mal im Atelier und überhaupt ausser Bett.

 

Am 3. März 1953 wurde Anna Amiet, unter Anteilnahme der ganzen Bevölkerung von der Oschwand sowie vielen auswärtigen Gästen, auf dem Friedhof Oschwand beigesetzt. Amiet notierte später in seiner Agenda:

 

Lehrer Müller hat eine prächtige Rede gehalten, die Schüler haben gesungen. (........) Die Schüler haben Kränze und Blumen getragen und haben den ganzen Weg entlang gestanden zu beiden Seiten des Trauerzuges.

 

Der Verlust seines geliebten Aenneli war ein herber Schlag für den 85-jährigen Amiet.

Stets war seine Frau an seiner Seite und die gute Seele des Hauses. Zeitlebens unterstützte sie Cuno Amiet in allen Belangen. Zum ganzen Lebenswerk des Malers hat Anna Amiet beigetragen. Ihr nie versagender Glaube an die Mission und das Können ihres Gatten, ihre eigene Schönheit, ihr Sinn für Blumen und Farben, ihre Gastfreundschaft, ihr bezauberndes Wesen waren ein immerwährender Anreiz zu neuem Schaffen. Sie war gleichsam das Urgewicht, mit dem Cuno zu neuen und immer grösseren Werken angeregt und ermuntert worden ist. Auf eine liebenswürdige Weise konnte sie unliebsame Gwunderer und Gäste aufhalten, damit ihr Cuno nicht an der Arbeit gestört worden ist. Sie schaffte jeden Stein aus dem Wege – nur so konnte Cuno sich ganz seinem Werk widmen. Cuno war der Künstler der Formen und Farben, sie aber war eine Lebenskünstlerin. In unzähligen Bildern, in jeder Altersstufe, wurde ihr feines Profil, wurden ihre frohen Augen und ihre aus dem Herzen leuchtende Güte festgehalten. In den langen gemeinsamen Jahren entstanden an die 150 Porträts von Anna. Nach dem Tod von Anna verging kein Tag an dem Cuno nicht an sein geliebtes «Aenneli» dachte. Tägliche Einträge in seine Agenda zeugen davon. Am 16. Juni 1898 heiratete Cuno Amiet Anna Luder. Sie war zu diesem Zeitpunkt 24 und Cuno Amiet 30 Jahre alt.

 Anna Amiet-Luder, Öl/Holz, 1898
Anna Amiet-Luder, Öl/Holz, 1898

In diesem zeitlichen Umfeld malte er dieses kleine Bildnis (18x21,5) seiner jungen Gattin. Am 30. November schrieb er folgendes in seine Agenda:

 

«Mis Schätzeli, han i di verlore! D’Lüt säget mer, du siegch jo do im Geist. Oh je i chas nit glaube Du bisch verlore für mi. Aber i dänke immer a di! Mis Liebe, Liebe, i dänke au immer no a di! Hüt isch dr letzte Monet vom Johr wo i di verlore ha, o mis Schätzeli!»